Die Entstehung - von Wolfgang Schubardt
Die meisten Teile der 1950 aufgestellten alten Orgel waren in den Kriegsjahren gefertigt worden. Ein Gutachten des Orgelinspektors Prof. Dr. Walter aus dem Jahre 1984 wies auf gravierende Mängel hin, die nicht mehr repariert werden konnten.
Es folgte die Gründung eines Orgelbauausschusses, Kontaktaufnahme mit Prof. Ludwig Doerr (Domorganist und Orgelsachverständiger der Erzdiözese Freiburg), Ausschreibungen an sieben renommierten Orgelbaufirmen, eine Orgel-Informationsfahrt für die Gemeinde St. Jakobus, etc. Daraufhin erhielt im Juli 1989 das Orgelbauunternehmen Karl Göckel aus Mühlheim-Rettigheim den Auftrag zum Bau einer neuen Orgel „klein aber fein“.
Diese wurde am 07.03.1993 (2. Fastensonntag) durch Dekan Horst Schroff mit einem Festgottesdienst eingeweiht, bei dem der Chor der Gemeinde St. Jakobus, zusammen mit Prof. Ludwig Doerr an der Orgel die Messe Nr. 6 in G, Aux Cathédrales von Charles Gounod, unter der Leitung von Wolfgang Schubardt zu Gehör brachte. Am Nachmittag konnten die Klangfarben der neuen Orgel während eines Orgelkonzertes bewundert werden.
Die Orgel hat 34 klingende Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal, mit insgesamt 2133 Pfeifen. Die Tontraktur ist rein mechanisch, Registertraktur elektrisch, 2 x 32 Setzerkombinationen, Sequenzschalter (Vor- und Rücklauf).
Das aus massivem Eschen- und Fichtenholz gefertigten Gehäuse, die Pfeifenanordnung und die Schleierbretter symbolisieren einen Baumstamm mit Baumkrone.
Die Orgel im Detail - Bildbericht von Tobias Mayerle
Äußerer Aufbau
Die drei vorhandenen Werke der Orgel sind hintereinander angeordnet. Von vorne nach hinten (bzw. im unten stehenden Bild von rechts nach links) das Hauptwerk (1. Manual), das Schwellwerk (2. Manual) sowie das Pedal.
Die Pfeifen des Schwellwerks sind in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht, welches sich an der Frontseite mittels Jalousien öffnen und schließen lässt. Hierdurch kann die Dynamik des Schwellwerks stufenlos verändert werden. Unten stehendes Bild zeigt die Jalousie des Schwellwerks in geöffneter Position.
Der Spieltisch ist frei stehend vor der Orgel mit Blick zum Orgelprospekt angeordnet. Seitlich neben den Manualtasten befinden sich die Registerzüge. Unterhalb des ersten Manuals sind die Bedieneinrichtungen für die Setzerkombinationen zu finden, mit welchen sich Registrierungen einspeichern und anschließend abrufen lassen.
Über den Pedaltasten befinden sich links zudem noch Fußtritte für die Koppeln, mit welchen die verschiedenen Werke zusammenschaltet werden können. Rechts davon ist das Pedal für die Bedienung der Jalousien des Schwellwerks.
Innerer Aufbau
Vom Spieltisch aus wird für jede Manual- und Pedaltaste eine mechanische Verbindung aus Holz (eine sogenannte Abstrakte) in die Orgel geführt. Die Abstrakten sind hier in drei Ebenen analog zur Anordnung am Spieltisch ausgeführt (Schwellwerk oben, Hauptwerk mittig, Pedal unten).
Die vertikal nach oben führenden Abstrakten werden auf einem sogenannten Wellenbrett seitlich umgelenkt, um von dort weiter nach oben zu führen, wo die entsprechenden Pfeifenventile geöffnet werden.
Im Werk selbst sind die Pfeifen eines Registers quer zur Orgel gruppiert. Längs hintereinander stehen dabei die Pfeifen der unterschiedlichen Register eines Tones. Hier zu sehen am Beispiel des Schwellwerks. Gut zu sehen sind auch die unterschiedlichsten Größen und Arten von Pfeifen, welche beim äußeren Blick auf die Orgel nicht zu sehen sind.
Die Größendimensionen der unterschiedlichen Pfeifen von mehreren Metern bis zu wenigen Zentimeter lassen sich auch am Beispiel der Pedalpfeifen gut verdeutlichen. Hier zu sehen sind von vorne nach hinten metallene Labialpfeifen (Lippenpfeifen), metallene Zungenpfeifen sowie hölzerne Labialpfeifen.
Die Erzeugung des benötigten Winds erfolgt durch eine Windmaschine. Vor der Weiterverteilung wird der Orgelwind in einem Magazinbalg zwischengespeichert. Dieser stellt einen gleichbleibenden Druck sicher.
Hier zu sehen ist der Magazinbalg in vollständig leerem Zustand ...
... sowie in gefülltem Zustand:
Abschließend ist hier noch ein Gesamtüberblick über den unteren Teil des Orgelgehäuses zu sehen. Am rechten Bildrand befindet sich das Wellenbrett des Pedals, links das Wellenbrett des Hauptwerks.
Hauptwerk (1. Manual)
Bourdon 16′
Principal 8′
Gambe 8′
Bourdon 8′
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Quinte 2 2/3’
Octave 2′
Cornett V 8′
Mixtur V 1 1/3’
Trompete 8′
Principal 8′
Gambe 8′
Bourdon 8′
Octave 4′
Rohrflöte 4′
Quinte 2 2/3’
Octave 2′
Cornett V 8′
Mixtur V 1 1/3’
Trompete 8′
Schwellwerk (2. Manual)
Holzprinzipal 8′
Gedackt 8′
Salicional 8′
Voix célèste 8′
Octave 4′
Traversflöte 4′
Nasard 2 2/3’
Doublette 2′
Terz 1 3/5’
Larigot 1 1/3’
Plein jeu V 2′
Basson 16′
Hautbois 8′
Clarine 4′
Gedackt 8′
Salicional 8′
Voix célèste 8′
Octave 4′
Traversflöte 4′
Nasard 2 2/3’
Doublette 2′
Terz 1 3/5’
Larigot 1 1/3’
Plein jeu V 2′
Basson 16′
Hautbois 8′
Clarine 4′
Tremulant
Pedal
Principalbass 16′
Subbass 16′
Octavbass 8′
Gedaktbass 8′
Choralbass 4′
Hintersatz IV 2 2/3’
Posaune 16′
Trompete 8′
Clarion 4
Subbass 16′
Octavbass 8′
Gedaktbass 8′
Choralbass 4′
Hintersatz IV 2 2/3’
Posaune 16′
Trompete 8′
Clarion 4
Koppeln: II-I, I-P, II-P
34 Register
2133 Pfeifen
Setzer (2x 32 Kombinationen) mit Sequenzerschaltung




















